Montag, 29. Dezember 2008
Liebe Freunde,
Viele von Euch werden sich schon wundern, warum ich so lange nichts geschrieben hab. Es tut mir leid. Ich musste aus krankheitsgründen nach Hause fliegen und bin jetzt also wieder in Österreich und krank geschrieben und in ärztlicher Behandlung. Der Arzt wird mich im neuen Jahr mal ganz durchchecken. Mal schaun, was rauskommt.
so long
Eure Anita
Dienstag, 2. Dezember 2008
1.Dezember 2008
Heute war ich wieder einmal joggen. Danach haben Carl und ich mit Jason in Wien telefoniert.
Um 4 Uhr ist Rodney gekommen. Er ist seit zwei Monaten zurück in den Vereinigten Staaten. Davor war er vier Jahre lang Missionar in Indien. Wir haben Pizza gegessen und danach sind Rodney, Carl und ich nach Dallas gefahren. In einem Cafe haben wir dann einige Leute getroffen. Es waren hauptsächlich Leute, die ich schon getroffen habe und wir haben den Abend damit verbracht, über uns zu erzählen und über die Bedeutung der Globalisierung für uns Christen zu reden. Zwei Leute kannte sogar Carl noch nicht und es war interessant, die unterschiedlichen Arbeiten und Gedanken zu hören. Allerdings ist es immer noch eine Herausforderung, vor 15 Leuten englisch zu reden (Carl ist Uniprofessor und ihm entgeht keiner, der einfach nur da sitzt und nichts sagt). Obwohl mir schon öfter gesagt wurde, dass ich keinen typischen ausländischen Akzent habe.
David Anderson war auch da und wir haben über die Zeit gesprochen, die ich mit ihm verbringen werde. Während des Gespräches hat er mich gefragt, ob ich jemals „Dallas“ gesehen hab. Ich meinte, dass ich es wohl geschaut hab, aber zu klein war, um mich daran zu erinnern. Jedenfalls ist die Ranch, wo die Serie gefilmt wurde am Ende der Straße, in der er wohnt und er bringt mich da hin, um ein Foto mit mir vor der Ranch zu machen. Bin schon gespannt.
Übrigens Sascha und Daya: jeder hier spricht von den Serien „Lost“ und „Heroes“. Ich muss die Leuz immer zurückhalten, damit sie mir nicht zu viel verraten. Jedenfalls hab ich einige „Heroes“- Marathons vor mir *g*.
Bei euch ist es jetzt schon 8 Uhr morgens. Ich bin gerade nach Hause gekommen und werde langsam ins Bett gehen (es ist jetzt 1 Uhr bei uns). Diese Eintragung kann ich jedoch erst morgen ins Internet stellen.
Bis bald!!!
Sonntag, 30. November 2008
30. November 2008
Ich war von Freitag bis heute (Sonntag) in Dallas.
Auf der Hinfahrt haben wir im „Texas Road House“ gegessen. Man kriegte Erdnüsse ohne Ende und hat die Schalen einfach auf den Boden geworfen. Wir hatten Spaß und ich hab Fotos gemacht, wie Sunny und Carl sich gegenseitig mit Erdnüssen beworfen haben *gg* (das darf man da!!!). Ich hatte mein erstes amerikanisches Steak – nur ein Wort: WOW. Himmel auf Erden.
Am Freitagabend waren Carl, Sunny und ich auf einer „Nach-Thanksgiving-Party“ in einer Lebensgemeinschaft von mehreren Leuten. Es war ein sehr schöner, aber auch herausfordernder Abend. Ich saß mit Carl, Sunny und John im Wohnzimmer. John ist seit 2 oder 3 Jahren orthodox und wir haben über „die Frau im Dienst“ diskutiert. Das ganze in Englisch zu managen war höchstinteressant. John war enthusiastisch, aber das Gespräch an sich war wirklich gut. Wir haben über die orthodoxe Liturgie geredet und über Bonhoeffer. Es war schön und inspirierend.
Gestern hat Sunny mich nach Downtown Dallas mitgenommen und wir sind in ein Shoppingcenter mit voll aufgerüstetem Weihnachtsgeschäft. Santa Claus saß da und wir haben kurz überlegt, uns auch auf seinen Schoß zu setzen und ein Foto machen zu lassen – wir waren zu feige…
Abends sind wir dann essen gegangen. Du meine Güte! Das Restaurant war also so was von dem, was man sich in Europa unter „Texas“ vorstellt. Die Wände waren aus Holz und voll mit Büffelhörnern, Stetsn, Cowboystiefeln und so weiter. Aus den Lautsprechern kam nur Countrymusik und Elvis Presley und zu essen gab es frittiertes Huhn und Ripperl. Jeder, der Geburtstag hatte (und das waren an diesem Abend wohl 3 Leute), musste „das Huhn“ aufsetzen (ein Hut, der wie ein weißes Hühnchen aussieht). Der ganze Laden hat dann geklatscht. Einmal hat die Kellnerin ein altes Lied gesungen, während sie mit dem Mikro durch das Restaurant spaziert ist. David hat schließlich diesen witzigen Hühnchenhut ergattert und ihn uns allen aufgesetzt und ein Foto gemacht. Er meinte, ich soll in diesen Blog schreiben, dass das Essen sehr gut war, der Abend lustig und das lag nur an dem Huhn auf meinem Kopf. Hiermit hab ichs ausgerichtet und ich versuch noch ein Foto davon zu ergattern.
Heute waren wir in der Crosspoint Church. Die Predigt war genau, was ich brauchte (wie die letzten beiden Wochen auch). Es ging um „Soul Journey“. Darum, dass wir meistens so schnell wie möglich von A nach B kommen wollen, doch das es so etwas wie einen „divine delay“ („göttliche Verspätung“) gibt, in die Gott uns geraten lässt. Wir glauben, wir kommen nicht schnell genug voran.
Und jetzt kommt der Kerngedanke. Hier ist was zum Nachdenken für Euch:
Manchmal geht es nicht darum, so schnell wie möglich dahin zu kommen, WO Gott uns haben möchte, sondern darum, auf der Reise so zu werden, WIE Gott uns haben möchte!
Das heißt manchmal, Umwege in Kauf zu nehmen, die man auf ersten Blick nicht versteht. Wir brauchen länger, aber es formt uns.
Ein zweiter Gedanke: Das, was vor und hinter uns liegt ist nicht so wichtig wie das, was IN uns liegt.
Das macht mich wirklich nachdenklich und motiviert mich. Und ich muss sagen, Gott begegnet mir in diesen Predigten so sehr, als würden wir zu zweit in einer Kneipe sitzen und den ganzen Abend quatschen.
Freitag, 28. November 2008
THANKSGIVING
Gestern war Thanksgiving. Es war ein wirklich wunderschöner Tag. Cheryl und Bob sind zu Raschkes Haus rüber gekommen und wir haben um 15 Uhr Truthahn gegessen und Wein getrunken. Danach sind wir mit Cheryl zu ihrem Haus und einer ihrer Katzen hat eine Tablette bekommen (Mama, du weißt, was das heißt). Danach sind wir zu Bobs Mutter – sie ist 87 Jahre alt. Eine wirklich nette, alte Lady.
Tja, und dann haben wir Football geschaut und dann eine sehr schöne Weihnachts - Balletaufführung aus New York. Als Sheryl und Bob gegangen waren haben Carl und ich einfach rumgezappt, während Sunny die Küche sauber gemacht hat (ich wollt ihr wirklich helfen, aber sie ließ mich nicht).
Und dann kam ein wirklich sehr seltsamer Film, in dem es um amerikanische Mormonenmissionare in Österreich ging-sehr seltsam, aber auch sehr interessant. Die meiste Zeit wurde deutsch bzw. österreichisch gesprochen und der Film wirkte wir ein unabhängiger Künstlerfilm. Aber ich habs genossen, Graz, Wien und Salzburg zu sehen und so weit weg von zu Hause meine eigene Sprache zu hören (mit englischem Untertitel, was sehr lustig war).
Heute gehts geht’s nach Dallas. Wir werden zwei Nächte in Katy`s Haus verbringen. Heute Abend ist eine Party in Dallas, bei der ich wieder viele Menschen kenne lernen werde. Ich vermiss mein eigenes Leben schon ein wenig. Aber was ist „mein eigenes Leben“??? Alle hier sind so nett. Und die meiste Zeit fühle ich mich wohl.
Mal schaun, was ich alles am Wochenende erleben werde. Ich freu mich darauf.
Ich denk an Euch!!!
Sonntag, 23. November 2008
23. November 2008
Langsam komm ich in die ganze Sache rein...
Die letzten zwei Tage – eigentlich die letzten drei Tage – waren ziemlich voll mit Begegnungen. Vorgestern waren Carl, Sunny und ich bei Artie zu Hause eingeladen. Wir haben seine wunderbare Familie kennen gelernt und den Abend damit verbracht, unsere Geschichten zu teilen. Es gab sehr gutes Essen (Lasagne), Wein und guten Kaffee.
Gestern (22.) sind wir abends nach Ardmore gefahren. Carl hielt einen Vortrag in einer Kunstgallerie, in der unter anderem auch Sunny ausstellt (die wollten gleich eine Lesung ansetzen, an der ich meine Gedichte vorlesen sollte...phu, mal schaun...). Ich hab viele neue Leute kennen gelernt . Hauptsächlich aber Josh. Er plant mit März nach Wien zu gehen und ist gerade von Boston zurück nach Dallas gekommen. Er hat das Seminar dort beendet und steht vor seiner Masterarbeit. Er hat eine interessante Vergangenheit. Bevor er Christ wurde war er in Gangs und hat einiges erlebt. Ungefähr das Zweite, was er zu mir sagte war, dass er mir gerne die Kneipen in Dallas zeigen möchte. Super! Daraufhin hab ich ihm angeboten, ihm die Kneipen in Wien zu zeigen, wenn er da ist. Irgendwie treff ich hier in Amerika auf die coolen Leute.
Morgen werde ich mit Carl nach Shermon fahren und wieder Leute treffen. Danach hab ich Zeit, mir die Stadt anzuschaun und zum Abendessen werden Josh und ich auf David Anderson treffen und ganz konkret an den Plänen für die nächste Zeit arbeiten. David ist derjenige, der mir hier in den USA Arbeit verschaffen wird und Fundraising für Joshs Aufenthalt in Österreich machen wird. Es scheint, als kommt einiges auf mich zu. Aber ich fühle mich so wohl mit Carl und Sunny, dass ich wirklich gespannt bin. Der Kontakt zu den Beiden wird eine lebenslange Freundschaft bleiben! Sunny meinte heute zu mir: "Es ist, als hätte ich endlich die Tochter, die ich nie hatte." Sie ist echt was ganz besonderes! Die Menschen, die ich hier treffe sind so offen und freundlich (nicht so wie in Österreich und Deutschland, wo alle ziemlich reserviert sind).
Manchmal komm ich mir vor wie der erste Mensch. Ich frage wegen jeder Kleinigkeit. Aber es ist wirklich interessant zu entdecken, dass die Baptisten in Amerika eine der traditionellsten Kirchen sind und alles was sich „non-denominational“ nennt ungefähr das ist, was Baptisten in Deutschland und Österreich sind. Jedes noch so kleinste Kaff hat eine „First Baptist Church“. Wenn ich sage, dass ich Baptistin bin ist das ungefähr so, als ob man in Deutschland „lutherisch“ oder in Österreich „evangelisch“ sagt. Es braucht viel Erklärungen.
Samstag werden wir nach Dallas fahren und shoppen gehen. Thanksgiving ist dann vorbei und das richtige Weihnachtsgeschäft fängt an. Ich hab bereits einen Katalog ergattert, den ich mitnehmen werde. Da sind die ganzen unglaublichen, amerikanischen Vorstadtgarten-Verbrechen käuflich zu erwerben…man glaubt es nicht…
Und Montag ist auch etwas geplant. Ich hab mit Carl darüber gesprochen, dass ich Markus Thane treffen möchte und er meinte, er könne Montag in einer Woche kommen, um mich und viele andere Menschen kennen zu lernen. Waco ist nur eine Stunde weit von Dallas entfernt…mal schaun, obs klappt…
Achja: ich fange langsam an, in Englisch zu denken. Mal sehen, inwieweit sich das auf meinen Schreibstil auswirkt *gg*.
Ich denke trotz allem viel an Euch alle und vermiss Euch. Und ich freu mich schon darauf, Euch wieder zu sehen.
Donnerstag, 20. November 2008
Heute sind Carl und Sunny zurück gekommen. Ich hätte nie gedacht, dass zwei Tage in kompletter Einsamkeit so herausfordernd sein können. Es gab viel nachzudenken und zu beten. Es hat alles in allem gutgetan.
Zum Abendessen gab es Kotelett und Sauerkraut. Ich wollte meinen Laptop anschließen und wusste nicht, was „Steckdose“ auf Englisch heißt. Also hab ich Carl gefragt: „What´s that called?“ Er meinte: „Oh, that´s called “Steckdose.” Darauf ich: “Yes, I know. But I need the English word…” Wir mussten ziemlich lachen.
Danach haben wir Tee getrunken und über Postmoderne und junge Erwachsene geredet. Seine Frage an mich war: Warum würden junge Leute heutzutage in die Gemeinde kommen? Was bewegt sie, sich zu bekehren? Wow. Gute Frage. Was finden junge Leute heute in unseren Gemeinden, was ihnen die Welt da draußen nicht geben kann? Ich mein jetzt nicht Floskeln wie „Jesus“ oder „Ewiges Leben“. Es ging darum, was junge Menschen heutzutage brauchen, dass wir ihnen als Gemeinde geben können. Wo wir ansetzen können, um Aufmerksamkeit zu erregen…und wo wir ihnen begegnen können an Punkten in ihrem Leben, an denen sie sich gerade befinden.
Wir haben über diakonische Projekte geredet und darüber, warum Bonhoeffer gerade in Deutschland so bekannt ist. Und darüber, dass in den kommenden harten Zeiten für Christen unsere Stärke darin liegen wird, zusammen zu kommen, Kontakte zu knüpfen und unser Leben miteinander zu teilen. Die Zeit des „Sonntagschristentums“ ist vorbei. Unsere Zukunft wird sein, was Christsein in den ersten Gemeinden bedeutet hat: Leben teilen und in der Einheit Stärke beweisen.
Es war sehr inspirierend. Und ich freu mich auf mehr solche Gespräche.
Dienstag, 18. November 2008
Artie ist cool
Artie ist Jugendpastor in Ardmore und wir verbrachten den Morgen damit, über europäische Baptisten und amerikanische Baptisten zu reden, während Carl mir ein typisch texanisches Frühstück bestellte. Es bestand aus einer Art Hacksteak in extrempanade, dass natürlich in Fett schwimmend herausgebacken wurde. Dazu gabs Kartoffelrösti, Eierspeise (Rührei) und in Butter ertränkte Toast. Guten Morgen, Amerika. Und das um halb 8 Uhr morgens. Aber leider muss ich auch zugeben: es war echt gut!
Artie ist indianisch-stämmig und macht coole Jugendarbeit in seiner Gemeinde. Am Freitag werden wir seine Familie kennen lernen.
Am Schluss haben wir email Adressen ausgetauscht und am Freitag werden wir weiterquatschen.
Jetzt sitze ich hier im Haus und bin bis Donnerstag Abend alleine. Die Beiden sind nach Waco gefahren, weil Carl einen Vortrag halten muss. Es ist ruhig und ich hab viel Zeit für mich. Das ist wirklich schön. Allerdings krieg ich das mit diesem Monster von LCD Fernseher nicht hin. Der sagt immer nur „no signal“. Doofer Fernseher. Dabei hätte ich mir morgen so gerne „Amerikas next Topmodel“ angeschaut *gg*